Lithium aus Geothermie – ein Baustein für die europäische Rohstoffversorgung?

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Zu den lithiumhaltigen Gesteinen zählen unter anderem Buntsandstein, Rotliegend-Sandstein, Zechstein-Dolomit/Zechstein-Karbonat, Pegmatit und Spodumenerz.


Wie Lithium aus Tiefenwasser gewonnen werden kann

Die Versorgung mit Lithium zählt zu den zentralen Herausforderungen der Batterieindustrie. Während heute ein Großteil des für Lithium-Ionen-Batterien benötigten Rohstoffs aus Südamerika, Australien oder China stammt, arbeiten Forschung und Industrie an alternativen Lithiumquellen in Europa.

Ein aktueller Fachbeitrag der ElektronikPraxis beschäftigt sich mit einer spannenden Frage: Kann Lithium künftig aus geothermischen Quellen gewonnen werden? Der Artikel nimmt Bezug auf eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Fraunhofer IEG: Im Fokus stehen dabei unter anderem der Oberrheingraben sowie das Norddeutsche Becken. Dabei handelt es sich um geologische Formationen mit tief liegenden, mineralhaltigen Thermalwasservorkommen, aus denen künftig sowohl geothermische Energie als auch Lithium für die Batterieproduktion gewonnen werden könnte.

Den Fachartikel finden Sie hier: Kann Geothermie künftig auch Batterierohstoffe liefern?

Wir haben bei Sönke Zacher, Jurist und Leiter des Batterie-Projektmanagements bei Jauch, nachgefragt.

Herr Zacher, warum sorgt Lithium aus Geothermie derzeit für Aufmerksamkeit?

Europa ist bei Lithium nach wie vor stark von Importen abhängig. Die Gewinnung aus geothermischen Quellen könnte dazu beitragen, regionale Lieferketten aufzubauen und die Rohstoffversorgung breiter aufzustellen.

Welchen Nutzen könnte das für die europäische Batterieindustrie haben?

Regionale Lithiumquellen können die Versorgungssicherheit erhöhen, Transportwege verkürzen und die Abhängigkeit von Importen reduzieren.

Wie wird Lithium aus geothermischen Quellen technisch gewonnen?

Lithium wird nicht direkt aus dem Gestein gewonnen, sondern aus lithiumhaltigem Thermalwasser, das aus mehreren tausend Metern Tiefe gefördert wird. Das enthaltene Lithium wird mit speziellen Verfahren aus dem Wasser extrahiert. Anschließend wird das Thermalwasser wieder in die geologische Formation zurückgeführt. Dadurch können geothermische Energiegewinnung und Lithiumförderung miteinander kombiniert werden.

Welche Herausforderungen müssen noch gelöst werden?

Entscheidend wird sein, ob sich die Verfahren technisch und wirtschaftlich im industriellen Maßstab etablieren lassen.

Ob sich die Verfahren langfristig durchsetzen werden, hängt von ihrer technischen Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit ab. Für die Batterieindustrie sind solche Entwicklungen dennoch relevant, da sie neue Perspektiven für die regionale Rohstoffversorgung eröffnen können.

Dabei reicht der Blick auf die reine Lithiumgewinnung allein nicht aus. Für die Versorgungssicherheit der europäischen Batterieindustrie ist die gesamte Wertschöpfungskette entscheidend. Zwar werden heute rund 52 % des Lithiums in Australien gefördert, die Weiterverarbeitung zu batteriefähigen Materialien erfolgt jedoch zu etwa 73 % in China. Die Abhängigkeiten werden bei weiteren Schlüsselmaterialien noch deutlicher: China verarbeitet rund 72 % des weltweit eingesetzten Kobalts, 95 % des Mangans und nahezu 100 % des Graphits für moderne Lithium-Ionen-Zellen.

Auch bei den für die Zellfertigung entscheidenden Komponenten dominiert China die Lieferkette. Rund 71 % des Kathodenmaterials und 91 % des Anodenmaterials stammen von dort. Für eine resilientere europäische Batterieindustrie müssen daher Rohstoffgewinnung, Materialaufbereitung und Zellfertigung gleichermaßen betrachtet werden.

Bereits in unserem Whitepaper „Sicherer Umgang mit Lithium-Batterien“ haben wir die Bedeutung regionaler Lithiumquellen sowie die Lithiumgewinnung in Deutschland beleuchtet.

Die Lithiumgewinnung aus geothermischen Quellen wird den weltweiten Rohstoffbedarf nicht allein decken können. Als ergänzende Lithiumquelle könnte sie jedoch dazu beitragen, die europäische Rohstoffversorgung zu diversifizieren und Abhängigkeiten entlang der Lieferkette zu reduzieren.